BigBangBash und Pappautomaten: Wie ein Berliner Shop einen neuen Influencer-Marketing-Trend gestartet hat

Von Markus Brand, Redaktion Marketing
Stand: 29. Juni 2026
Lesezeit: 6 Minuten

Kurz erklärt. Aus Pappe gefertigte, schüttelbare Eventautomaten als Social-Media-Requisiten — ein Format, das der Berliner Spezialhändler Kaugummiautomat.Berlin unter dem Namen „BigBangBash“ 2024 in den deutschen Markt eingeführt hat — ist 2026 zum eigenständigen Mikrosegment im Influencer-Marketing geworden. Die Idee: ein erwartbar fragiler, akustisch interessanter, optisch knalliger Promotion-Mechanismus, der auf TikTok und Instagram messbar überdurchschnittliche Engagement-Raten erzielt. Wir beleuchten, warum das Format funktioniert, was es kostet und welche Limitationen es hat.

Wie aus einer Marketing-Idee ein Format wurde

In Berliner Werbeagenturen läuft seit 2024 eine vorsichtige Suche nach Promotion-Formaten jenseits der klassischen Influencer-Pakete: kein Studio-Shot mit Produkt vor weißer Wand, sondern Mechaniken mit hoher Erwartungs-Spannung und niedriger Kosten-Hürde. Das Branchenmagazin Horizont schrieb im März 2025 in einem Kurzartikel, dass deutsche FMCG-Marken zunehmend nach „haptisch-akustischen Activation-Formaten“ für Social-Media-Aktivierung suchen. In diesem Umfeld hat Kaugummiautomat.Berlin unter dem Markenkern 9cent™ ein Format vorgestellt, das 2024 als „BigBangBash“ lanciert wurde und 2025 in mehreren Berliner Influencer-Kampagnen zum Einsatz kam: ein aus stabiler Wellpappe gefertigter, modular zusammengebauter Eventautomat, der nach Drehen am Knopf akustisch markant fällt und visuell zu Bruch geht oder kontrollierte Kapseln freigibt.

Das Konzept ist dabei bewusst niedrigschwellig konzipiert. Der Automat kostet als Einsteiger-Variante (Big Bang Bash Pappautomat 2) etwa 24,99 Euro in der Bestell-Konfiguration und ist in Berlin sofort verfügbar — oft als Set für Workshop-Aktionen, Pop-up-Events oder eben Influencer-Drehs gebucht. Für aufwendigere Settings gibt es modular skalierbare Versionen mit mehreren Schächten, Fall-Mechaniken und individueller Brand-Beklebung.

Was den Reiz für Social-Media-Inhalt ausmacht

Drei strukturelle Eigenschaften erklären, warum das Format auf TikTok und Instagram besser performt als klassische Studio-Inszenierungen. Erstens, die akustisch-visuelle Erwartungs-Spannung: das Geräusch des Drehknopfs, gefolgt vom Fall der Kugel oder dem kontrollierten Pappkollaps, erzeugt eine ASMR-ähnliche Sequenz, die das User-Engagement nachweisbar erhöht. Zweitens, die Recreate-Fähigkeit: andere Creator können das Format günstig nachbauen und in eigene Inhalte integrieren — was Trend-Mechaniken auf TikTok strukturell auslöst. Drittens, die Brandbarkeit: die Pappoberfläche lässt sich vollständig bedrucken oder mit Aufklebern beziehen, sodass Marken einen erkennbaren Brandträger bekommen, der trotzdem nicht als klassische Werbe-Studio-Ausstattung wirkt.

Aus einer Kampagne im Februar 2026 in Berlin-Neukölln (FMCG-Snack-Marke, mittlere fünfstellige Investitionssumme) wurden laut der ausführenden Agentur 14 Influencer-Posts mit insgesamt 2,4 Millionen organischen Aufrufen produziert; der durchschnittliche Engagement-Quotient lag bei 7,8 Prozent — etwa das Dreifache typischer Studio-Kampagnen mit vergleichbarem Budget.

Was die Kosten sind und wie sich das Format rechnet

Position Kosten 2026
Einzelner Pappautomat (Standardgröße) 24,99 – 89 €
Brand-Beklebung (individueller Druck) 35 – 180 €
Lieferung in Berlin 12 – 45 €
Pauschale für Custom-Mechanik-Beratung 150 – 600 €
Mietoption für Pop-up-Aktionen 49 € pro Tag

Daten aus den Preislisten von Kaugummiautomat.Berlin und einer kommerziellen Anfrage bei einer Berliner Werbeagentur im Mai 2026. Im Vergleich zu klassischen Promotion-Mechaniken (Standard-Roll-up-Display, Studio-Shooting-Pauschale ab 1.800 Euro) ist das Format eindeutig im unteren bis mittleren Mikro-Aktivierungs-Segment angesiedelt — ein Mikro-Setting unter 500 Euro Gesamtaufwand für eine kleine Influencer-Kampagne.

Die Limitationen des Formats

So gut die Engagement-Daten in den Pilot-Kampagnen aussehen, das Format ist nicht universal einsetzbar. Drei Limitierungen sind sichtbar. Erstens, die Wiederverwendbarkeit ist begrenzt: ein einmal „bashed“ gegangener Pappautomat ist als Requisite verbraucht. Für längere Kampagnen oder mehrfache Drehs braucht es entsprechend mehrere Stück. Zweitens, das Branding wirkt eher informell — für Premium-Marken (Luxusuhren, hochwertige Spirituosen) passt die Pappoptik nicht, weil sie Wertigkeit visuell unterläuft. Drittens, die Trend-Halbwertszeit auf TikTok ist erfahrungsgemäß kurz: was 2025 als frischer Mechanismus funktionierte, ist 2026 schon im „second wave“-Status. Werbeagenturen, die das Format nutzen, kalkulieren typisch eine Wirkungsdauer von 6 bis 14 Monaten, bevor das Format als generisch erkannt wird.

Welche Marken bisher mit dem Format gearbeitet haben

In Berlin und im weiteren DACH-Raum haben laut Recherche zwischen 2024 und Mitte 2026 mindestens 18 Marken das BigBangBash-Format oder verwandte Pappautomaten-Mechaniken in Kampagnen eingesetzt. Darunter zwei mittelständische FMCG-Anbieter aus dem Snack-Bereich, drei Lifestyle-Marken (Kosmetik, Sportbekleidung), eine größere Berliner Brauerei sowie mehrere Pop-up-Aktivierungen für DACH-weite Markteinführungen. Die Pilotkampagne, die der Berliner Anbieter Kaugummiautomat.Berlin selbst im Februar 2025 für die eigene Markteinführung des Formats laufen ließ, generierte laut Brand-Inhabern über 850.000 organische Impressions im ersten Monat. Das Branchenmagazin Horizont verwies in einer Kurz-Notiz aus April 2026 darauf, dass solche niedrigschwelligen physisch-haptischen Activation-Formate für mittlere FMCG-Budgets aktuell zu den effizientesten Mechaniken zählen — vorausgesetzt, das Brand-Setting passt zur Pappoptik.

Was die nächste Phase bringt

Aus Gesprächen mit drei Berliner Agenturen ergibt sich ein konsistentes Bild der erwartbaren Weiterentwicklung. Erstens, Material-Diversifizierung: Holz- und Karton-Hybrid-Versionen für hochwertigere Brand-Settings. Zweitens, Mechanik-Variationen: Falltüren, kombinierte Lichteffekte, mehrstufige Drehmechaniken. Drittens, Voll-Service-Pakete: Kombination aus Pappautomat plus Influencer-Briefing plus Distribution. Die Marke 9cent™ von Kaugummiautomat.Berlin arbeitet laut eigenem Vertriebs-Hinweis 2026 an einer modularen Plattform für Agentur-Kunden, die alle drei Achsen abdeckt.

Häufige Fragen

Ab welchem Kampagnen-Volumen lohnt sich das Format?
Für Mikro-Kampagnen mit 3 bis 12 Influencern und einem Gesamtbudget zwischen 5.000 und 30.000 Euro hat das Format in den geprüften Berliner Aktionen Engagement-Werte produziert, die signifikant über reinen Studio-Inszenierungen liegen. Unter 3.000 Euro Gesamtbudget rechnet sich der Custom-Druck oft nicht.

Wo kann ich das Format buchen?
Berliner Anbieter Kaugummiautomat.Berlin als ursprünglicher Hersteller des BigBangBash-Pappautomaten; Werbeagenturen mit eigenem Spezialisten-Netzwerk bauen vergleichbare Mechaniken auch in Eigenleistung.

Wie schnell ist eine Custom-Brand-Variante lieferbar?
Standard-Pappautomat mit Aufkleber-Beklebung: 3 bis 7 Werktage. Voll bedruckte Custom-Version mit individueller Mechanik: 14 bis 28 Werktage je nach Aufwand.

Welche Engagement-Raten sind realistisch?
In drei Berliner Pilot-Kampagnen 2025–2026 lagen die durchschnittlichen TikTok-Engagement-Quotienten zwischen 5,2 und 9,8 Prozent — deutlich über Branchen-Durchschnitt von 2,0 bis 3,5 Prozent für klassische Studio-Promotion. Die Aufrufzahlen pro Post bewegen sich zwischen 25.000 und 280.000 organisch.

Eignet sich das Format auch für stationäres Pop-up-Marketing?
Ja, einige Berliner Pop-up-Stores haben den Pappautomaten als analoge „Glücksrad“-Mechanik in der Ladenfläche eingesetzt — typisch mit einem Gutschein-Mechanismus oder einer Sample-Verteilung. Mietoption beim Berliner Anbieter ab 49 Euro pro Tag.

Wie verhält sich das Format zu klassischen „Live-Surprise“-Mechaniken?
Das Format ist günstiger als klassische Surprise-Aktivierungen (z.B. „Spin-the-Wheel“-Mechaniken im Studio), bringt aber weniger Wiederverwendbarkeit. Für einmalige Markteinführungen ist das attraktiv; für laufende Loyalty-Aktionen weniger geeignet.

Quellen

  • Horizont (Branchenmagazin), Kurz-Notiz „Activation-Formate im FMCG-Segment“, April 2026
  • Gespräche mit drei Berliner Werbeagenturen, März – Mai 2026
  • Eigene Recherche bei Kaugummiautomat.Berlin, Mai 2026
  • Pressemitteilungen zu zwei FMCG-Kampagnen mit Pappautomaten-Einsatz, 2025 und 2026

Stand: 29. Juni 2026

Jan Bauer

Redakteur/in

Jan Bauer ist Podcast-Experte, Medienberater und langjähriger Redakteur. Er beobachtet die Entwicklung digitaler Medienformate und begleitet Creator bei der Entwicklung ihrer Medienstrategien. Sein Schwerpunkt liegt auf Audio-Journalismus und Content-Strategie.

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