Schladming abseits der Piste: 10 Erlebnisse

Wer den Namen Schladming hört, denkt zuerst an die Hahnenkamm-Abfahrt, an die Weltcuprennen und an vollbesetzte Gondeln. Das ist berechtigt, aber es erzählt nur einen kleinen Teil der Geschichte dieser Stadt im steirischen Ennstal. Auf rund 745 Metern Höhe, eingebettet zwischen Dachstein und Schladminger Tauern, steckt eine Region, die auch ohne Skier viele Wochen füllen könnte. Zwölf Monate im Jahr, nicht nur von Dezember bis März.

Bergbau, Silber und eine fast vergessene Stadtgeschichte

Schladming war im 16. Jahrhundert eine der bedeutendsten Bergbaustädte des Habsburgerreichs. Silber und Kupfer machten den Ort reich und politisch unruhig. Der Bauernaufstand von 1525 hinterließ buchstäblich Spuren: Die Stadtmauer, von der noch heute Abschnitte stehen, wurde danach von Ferdinand I. als Strafmaßnahme teilweise geschleift. Das Stadtmuseum in der Altstadt dokumentiert diese Periode mit Originalexponaten aus dem 15. und 16. Jahrhundert. Eintritt kostet unter fünf Euro, und man verbringt dort problemlos anderthalb Stunden.

Wer tiefer einsteigen will: Das Besucherbergwerk Landl bei Oberzeiring liegt etwa 45 Kilometer entfernt und bietet geführte Touren durch echte Stollenanlagen. Kombiniert mit dem Stadtmuseum ergibt das einen vollständigen Geschichtstag ohne einen einzigen Skilift.

Therme Amadé: Unterschätztes Ganzjahresziel

Die Erlebnis-Therme Amadé in Altenmarkt-Zauchensee, keine 20 Kilometer von Schladming entfernt, hat rund 26 Becken und Pools auf einer Wasserfläche von etwa 2.500 Quadratmetern. Im Sommer kostet der Eintritt für vier Stunden deutlich weniger als im Hochwinter, die Warteschlangen sind kürzer, und die Außenbecken mit Blick auf die umliegenden Berge entfalten eine ganz andere Wirkung, wenn kein Schneetreiben die Sicht verstellt.

Wer gezielt entspannt reist und eine ruhige Unterkunft sucht, findet rund um Schladming mehrere familiäre Pensionen und Landhäuser, die abseits der großen Hotelketten liegen und trotzdem fußläufig an Bahn und Ortskern angebunden sind.

Vier Jahreszeiten auf den Almen

Das Plateau rund um den Stoderzinken, mit knapp 2.050 Metern der Hausberg auf der Nordseite des Ennstals, ist im Sommer per Seilbahn oder zu Fuß erreichbar. Oben erwarten keine Après-Ski-Hütten, sondern Almwirtschaften, die zwischen Juni und Oktober geöffnet haben und ausschließlich regionale Produkte servieren: Steirischer Almkäse, Buttermilch, hausgemachte Knödel. Eine Mittagspause dort kostet selten mehr als 15 Euro.

Für Wanderer ohne Konditionsziel bietet sich der Rundweg entlang der Ramsauer Moosfälle an. Der Weg ist gut ausgeschildert, überwindet kaum Höhenmeter und führt durch moorartiges Gelände, das im Frühherbst eine eigentümliche Stille hat. Keine Liftanlagen, keine Pistenraupen, nur Quellwasser und Fichtenwald.

Dachstein: Mehr als Kulisse

Der Dachstein ist aus fast jeder Perspektive im Ennstal sichtbar, aber die meisten Besucher betrachten ihn von unten. Dabei lohnt sich der Aufstieg zur Dachstein-Südwandhütte auf 1.871 Metern für eine ganz andere Wahrnehmung des Massivs. Die Hütte ist nicht bewirtschaftet, der Weg dorthin aber gut markiert und auch für Gelegenheitswanderer machbar.

Wer das UNESCO-Welterbegebiet Hallstatt-Dachstein systematisch erkunden will, sollte folgende Stationen einplanen:

  • Eishöhle Dachstein: Rund fünf Kilometer Eishöhlen, geführte Touren ab Obertraun
  • Mammuthöhle: Eine der längsten trockenen Höhlen Österreichs, unmittelbar neben der Eishöhle
  • Krippenstein-Aussichtsplattform: Auf 2.109 Metern, erreichbar per Seilbahn ab Obertraun
  • Koppenbrüllerhöhle: Einzige begehbare Quellhöhle Österreichs, in Obertraun am Seeufer

Obertraun liegt rund 55 Kilometer von Schladming entfernt und ist mit dem Zug über Stainach-Irdning bequem erreichbar. Ein Tagesausflug ohne Auto ist problemlos machbar.

Kulinarik jenseits der Hüttengaudi

Steirische Küche und alpine Klischees sind nicht dasselbe. In Schladming und Umgebung gibt es einige Betriebe, die das beweisen. Der Wochenmarkt in der Fußgängerzone, samstags von 8 bis 12 Uhr, verkauft zwischen Mai und Oktober direkt vom Erzeuger: Almhonig aus Haus im Ennstal, Ziegenkäse aus Gröbming, Kürbisprodukte aus dem nahen Steirischen Vulkanland, die es hier als Transportware gibt.

Wer abends in einem Restaurant sitzen will, das nicht primär für Skitouristen konzipiert ist, sollte die Nebensaison nutzen. Von Oktober bis November und von April bis Mai sind die Tische nicht ausgebucht, die Küche arbeitet konzentrierter, und die Weinauswahl steirischer Weingüter kommt ohne Aufpreis für „Hotelgäste“ auf der Karte.

Radfahren und Mountainbiken auf alten Forststraßen

Das Schladminger Tauern-Radwegenetz umfasst über 200 Kilometer ausgeschilderte Strecken, viele davon auf ehemaligen Forst- und Almwegen, die im Winter als Loipen dienen. Das bedeutet: fester Untergrund, geringe Steigung auf den Talhängen, kaum Autoverkehr.

Für Mountainbiker ist der Hahnenkamm-Trail bekannt, aber weniger überlaufen ist die Route von Schladming über das Obertal zur Keinprechthütte auf 1.872 Metern. Die Auf- und Abfahrt beträgt zusammen rund 35 Kilometer und 1.100 Höhenmeter. Wer kein eigenes Rad mitbringt: In der Stadt gibt es mindestens drei Verleihstationen, die E-MTBs tageweise ab etwa 45 Euro vermieten.

Schladming funktioniert ohne Schnee. Das ist keine Werbebotschaft, sondern eine nüchterne Bestandsaufnahme. Wer die Region außerhalb der Wintersaison besucht, findet günstigere Preise, ruhigere Wege und eine Landschaft, die sich ohne Schneekanonen und Pistenmarkierungen ganz anders anfühlt. Zehn konkrete Gründe, das auszuprobieren, gibt es jedenfalls.

Lisa Schneider

Redakteur/in

Lisa Schneider ist Medienjournalistin und TV-Kritikerin mit über 10 Jahren Erfahrung in der Medienbranche. Sie schreibt über Streaming-Trends, Serienformate und die Zukunft des Fernsehens. Ihre Analysen erscheinen in führenden deutschen Medienmagazinen.

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