E-Auto laden am Filmset: Was Produktionsteams wissen müssen

Wer heute mit einem Filmteam auf Location geht, kennt das Bild: Transporter, Kleinbusse, Technikfahrzeuge in Reih und Glied auf dem Parkplatz einer alten Lagerhalle oder vor einem Außengelände irgendwo zwischen Augsburg und Hamburg. Was sich verändert, ist der Antrieb. Immer mehr Produktionshäuser, Sender und unabhängige Crews steigen auf Elektrofahrzeuge um, teils aus Überzeugung, teils weil Fuhrparkverträge und Unternehmensrichtlinien das inzwischen vorgeben. Das Problem: Die Infrastruktur, die dahinter stehen müsste, fehlt an den meisten Produktionsstandorten noch vollständig.

Warum Medienproduktionen beim Thema Laden besondere Anforderungen haben

Ein Kamerateam beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk legt an einem normalen Drehtag leicht 300 Kilometer zurück, manchmal mehr. Morgens Abfahrt vom Sender, mittags Location, nachmittags Interviewtermin in einer anderen Stadt, abends zurück. Das entspricht ungefähr der Reichweite eines mittelgroßen Elektro-SUV unter realen Bedingungen, also nicht unter Laborbedingungen, sondern mit Gepäck, Klimaanlage und Autobahnfahrt. Wer da nicht rechnet, steht abends ohne Reichweite da.

Dazu kommt, dass Filmcrews selten an Orten drehen, die für Ladeinfrastruktur geplant wurden. Industriegebäude, Bauernhöfe, Veranstaltungshallen aus den 1970ern, Messegelände mit Sonderbelegung: Steckdosen gibt es dort oft, aber keine Wallboxen, keine CCS-Schnelllader, manchmal nicht einmal Drehstrom. Das ist kein technisches Randproblem, sondern ein handfestes Planungsproblem, das Produktionsleiter ab sofort in ihre Location-Scouting-Checkliste aufnehmen müssen.

Was der Markt aktuell bietet und wo die Lücken bleiben

Die Zahl öffentlicher Ladepunkte in Deutschland wächst. Laut Bundesnetzagentur waren Anfang 2024 bundesweit über 100.000 öffentliche Ladepunkte registriert. Klingt viel, ist es auch, aber sie sind ungleich verteilt. In Ballungszentren ist die Versorgung halbwegs belastbar, in ländlichen Regionen, wo viele Außenproduktionen stattfinden, sieht es dünner aus. Wer auf einer Burg in der Eifel dreht oder auf einem Gutshof in der Uckermark, findet in der Regel keinen Schnelllader in Sichtweite.

Der Ansatz, den zunehmend mehr Produktionshäuser verfolgen, ist ein eigenes mobiles Ladekonzept. Das bedeutet konkret: Fahrzeuge mit möglichst großer Batterie auswählen, Ladekabel für Typ-2, CCS und notfalls Schuko mitführen, und Routen so planen, dass Ladepausen mit ohnehin eingeplanten Pausen zusammenfallen. Wer mehr darüber erfahren will, wie technisch sinnvolles E-Auto laden für gewerbliche Nutzer aussieht, findet dazu zunehmend branchenspezifische Ressourcen. Entscheidend bleibt: Die Planung muss vor dem Drehtag passieren, nicht auf dem Weg zur Location.

Produktionslogistik neu denken: Konkrete Ansätze

Was bedeutet das in der Praxis? Einige Teams, die bereits vollständig auf E-Fahrzeuge umgestellt haben, berichten von drei Veränderungen, die sich bewährt haben:

  • Ladecheck gehört ins Location-Scouting: Bevor eine Location bestätigt wird, klärt jemand, ob dort eine 11-kW-Wallbox oder wenigstens ein 32-Ampere-Starkstromanschluss vorhanden ist. Fehlt beides, wird entweder eine Lösung vereinbart oder ein Ladeplanungspuffer einkalkuliert.
  • Fahrtplanung mit Lade-Apps statt Bauchgefühl: Tools wie ABRP (A Better Route Planner) ermöglichen genaue Verbrauchsschätzungen unter Berücksichtigung von Zuladung, Außentemperatur und Streckenprofil. Das ersetzt keine Erfahrung, ergänzt sie aber sinnvoll.
  • Poolfahrzeuge mit Ladeprotokoll: Bei Fuhrparks mit mehreren Fahrzeugen braucht es klare Regeln, wer wann lädt und wer Vorrang hat. Ohne Protokoll laden die letzten Rückkehrer auf leere Akkus, weil die anderen Fahrzeuge die Wallbox blockieren.

Der Faktor Nachhaltigkeit: Anspruch und Realität

Viele Produktionshäuser kommunizieren ihr Engagement für nachhaltige Produktion inzwischen aktiv, auch gegenüber Sendern und Auftraggebern. Das Umweltbundesamt weist darauf hin, dass der Verkehrssektor in Deutschland nach wie vor einer der größten Einzelverursacher von CO2-Emissionen ist. Die Umstellung des Fuhrparks ist deshalb kein symbolischer Akt, sondern ein messbarer Beitrag, sofern der Ladestrom aus erneuerbaren Quellen stammt. Genau das ist die Fußnote, die im Kommunikationsmaterial oft fehlt: Ein Elektroauto, das mit Kohlestrom lädt, ist nicht automatisch klimaneutral.

Für Produktionshäuser heißt das, beim Abschluss von Fuhrparkverträgen und Ladelösungen gezielt nach Ökostrom-Tarifen zu fragen. Der Aufpreis ist im Jahresbudget einer mittelgroßen Produktion überschaubar, der Unterschied in der CO2-Bilanz nicht.

Was sich für Rundfunkteams konkret ändert

Öffentlich-rechtliche Sender haben eigene Vorgaben. ARD und ZDF haben in ihren Nachhaltigkeitsstrategien Ziele für die Flottenumstellung formuliert. Redaktionelle Außenteams bekommen zunehmend Elektrofahrzeuge statt Diesel-Kombis zugeteilt. Das verändert Abläufe, zum Beispiel bei Nachrichtenlagen, wo kurzfristige Einsätze mit vollem Akku selbstverständlich sein müssen. Wer abends ein nicht aufgeladenes Fahrzeug übernimmt, hat morgens früh ein Problem.

Lösung: Lademanagement als Teil der Dienstanweisung. Das klingt bürokratisch, ist es auch, aber es funktioniert. Fahrzeug kommt rein, Kabel rein, fertig. Wer das nicht macht, dokumentiert es. So simpel das klingt, in der Praxis fehlt diese Selbstverständlichkeit noch an vielen Standorten.

Fazit: Infrastrukturdenken ist Produktionsdenken

Die Elektromobilität kommt in der Medienproduktion an, ob Teams sich darauf vorbereiten oder nicht. Der Unterschied liegt in der Planung. Wer Ladeinfrastruktur als Randfrage behandelt, wird sie als Kernproblem erleben: auf einer Location ohne Strom, mit einem Fahrzeug, das am nächsten Morgen nicht startet. Wer sie hingegen systematisch in die Produktionslogistik integriert, gewinnt tatsächlich etwas, nämlich planbare Kosten, eine sauberere Bilanz und Teams, die nicht über Reichweite diskutieren, sondern drehen.

Der Umstieg ist keine technische Frage mehr. Er ist eine organisatorische.

Jan Bauer

Redakteur/in

Jan Bauer ist Podcast-Experte, Medienberater und langjähriger Redakteur. Er beobachtet die Entwicklung digitaler Medienformate und begleitet Creator bei der Entwicklung ihrer Medienstrategien. Sein Schwerpunkt liegt auf Audio-Journalismus und Content-Strategie.

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