Wer in einer Redaktion arbeitet, kennt das Problem: Das Technikbudget ist knapp, die Anforderungen an mobile Endgeräte steigen aber kontinuierlich. Videos fürs Social-Media-Team, Sprachaufnahmen für den Podcast, schnelle Foto-Dokumentationen unterwegs. Das alles läuft 2026 fast ausnahmslos über das Smartphone. Und in vielen Häusern läuft es über ein iPhone.
Warum Apple im Redaktionsumfeld dominiert
Die Gründe dafür sind weniger emotional als technisch. iPhones erhalten deutlich länger Software-Updates als die meisten Android-Geräte. Ein iPhone 13, erschienen 2021, bekommt bis mindestens 2027 aktuelle iOS-Versionen. Das bedeutet: Sicherheitslücken werden geschlossen, Apps bleiben kompatibel, und die Geräte funktionieren zuverlässig in kollaborativen Workflows mit MacBooks und iPads. Gerade in Redaktionen, die auf das Apple-Ökosystem gesetzt haben, schafft das eine konsistente Arbeitsumgebung ohne ständige Kompatibilitätsprobleme.
Hinzu kommt die Kameraqualität. Die ProRes-Videofunktion, die Apple ab dem iPhone 15 Pro standardmäßig anbietet, erlaubt Aufnahmen in einem Format, das direkt in professionelle Schnittsoftware wie Final Cut Pro oder DaVinci Resolve importiert werden kann. Das spart einen Konvertierungsschritt und damit Zeit.
Das Kostenproblem und der refurbished Markt
Ein neues iPhone 16 Pro kostet zum Marktstart über 1.200 Euro. Für Redaktionen, die mehrere Geräte für Außenreporter oder freie Mitarbeitende anschaffen wollen, ist das kaum darstellbar. Hier kommt der refurbished Markt ins Spiel, der in den letzten Jahren erheblich professioneller geworden ist.
Wer heute Apple iPhones gebraucht kaufen möchte, findet bei seriösen Anbietern Geräte, die aufbereitet, geprüft und mit Gewährleistung verkauft werden. Ein iPhone 13 Pro ist aktuell für 400 bis 500 Euro erhältlich, bietet ProMotion-Display, ein sehr gutes Dreifach-Kamerasystem und läuft stabil unter iOS 17 und 18. Für redaktionelle Standardaufgaben ist das völlig ausreichend und schlägt viele Neugeräte der Android-Mittelklasse bei der Softwarepflege deutlich.
Nachhaltigkeit als redaktionelles Argument
Ein Aspekt, der in Medienhäusern zunehmend eine Rolle spielt: der ökologische Fußabdruck der eigenen Technikausstattung. Das Umweltbundesamt weist darauf hin, dass die Herstellung eines Smartphones den größten Anteil an dessen gesamtem CO₂-Fußabdruck ausmacht. Wer ein bereits produziertes Gerät nutzt, statt ein neues zu kaufen, verlängert dessen Nutzungszyklus und reduziert damit den Ressourcenverbrauch im direkten Zusammenhang mit dem eigenen Betrieb. Das ist kein Greenwashing, sondern messbarer Effekt.
Für Redaktionen, die einen Nachhaltigkeitsbericht veröffentlichen oder entsprechende Richtlinien im Einkauf haben, kann das durchaus relevant sein. Der Griff zum refurbished Gerät ist dann keine Sparmaßnahme, sondern eine bewusste Entscheidung.
Was beim Kauf konkret zu beachten ist
Nicht jedes gebrauchte iPhone ist gleich. Die Qualitätsgrade variieren je nach Anbieter, und es lohnt sich, genau hinzuschauen. Folgende Punkte sollte eine Redaktion vor dem Kauf klären:
- Akkukapazität: Apple empfiehlt einen Akku unter 80 Prozent als erneuerungswürdig. Seriöse refurbished Anbieter geben den Akkustand transparent an oder tauschen den Akku aus.
- Gewährleistung: Nach deutschem Kaufrecht gilt eine gesetzliche Gewährleistung von zwei Jahren. Bei Gebrauchtgeräten kann diese auf ein Jahr verkürzt werden, was Händler häufig tun. Das sollte im Kaufvertrag klar stehen.
- Entsperrung und Netzbetreiber: iPhones aus anderen Märkten sind gelegentlich auf bestimmte Netzbetreiber gesperrt. Vor dem Kauf sicherstellen, dass das Gerät vollständig entsperrt ist.
- Modellwahl: Für reine Sprachaufnahmen und Textarbeit reicht ein iPhone 12. Wer Videos produziert, sollte mindestens zum iPhone 13 Pro greifen, das bereits Dolby Vision aufnimmt.
Refurbished im Redaktionsalltag: ein Praxisbeispiel
Jan Bauer, Videoreporter bei einer regionalen Onlineredaktion, hat seinen Gerätepark im vergangenen Jahr auf refurbished iPhones umgestellt. Seine Einschätzung: „Wir haben fünf iPhone 13 Pro als refurbished gekauft und zahlen insgesamt weniger als für zwei neue iPhone 16 Pro. Die Bildqualität ist für unsere YouTube-Formate absolut ausreichend, und die Geräte laufen stabil.“ Ähnliches berichtet Lisa Schneider, die als freie Multimedia-Journalistin arbeitet. Sie nutzt ein refurbished iPhone 14 Pro für Drehs und schätzt vor allem die langen Update-Zyklen: „Ich muss nicht jedes Jahr neu investieren, das Gerät hält mich noch Jahre begleiten.“
Beide Beispiele zeigen, dass refurbished keine Notlösung ist, sondern eine informierte Wahl, die sich an realen Anforderungen orientiert.
Rechtliche Rahmenbedingungen beim Geräte-Einkauf
Wer als Redaktion oder Verlag Geräte einkauft, bewegt sich im Bereich des Handelsrechts. Relevant ist dabei unter anderem das Bürgerliche Gesetzbuch, das die Gewährleistungsrechte auch beim Kauf gebrauchter Waren regelt. Nachschlagen lässt sich das direkt beim offiziellen Portal gesetze-im-internet.de, das alle deutschen Bundesgesetze in aktueller Fassung bereithält. Für Einkaufsverantwortliche in größeren Medienhäusern lohnt sich ein Blick auf die Regelungen zu § 476 BGB, der die Beweislastumkehr bei Mängeln innerhalb eines Jahres nach Kauf beschreibt.
Zudem sollten Redaktionen bei einer Flottenabnahme die steuerliche Behandlung prüfen. Gebrauchtgeräte mit Gewährleistung von gewerblichen Händlern sind regulär umsatzsteuerpflichtig, was den Vorsteuerabzug ermöglicht.
Fazit: Gebraucht kaufen ist professionell
Der refurbished Markt für iPhones hat ein Reifegrad erreicht, der ihn für den professionellen Einsatz tauglich macht. Wer die richtigen Geräte auswählt, auf Akkuzustand und Gewährleistung achtet und die Modellwahl an den tatsächlichen Anforderungen ausrichtet, bekommt leistungsfähige Arbeitsgeräte zu einem Bruchteil des Neupreises. Für Medienprofis, die mit knappen Budgets hochwertige Inhalte produzieren wollen, ist das 2026 eine der sinnvollsten Entscheidungen im Technikbereich. Was früher nach Sparmaßnahme klang, ist inzwischen schlicht vernünftig.